Isabella Löhr, Die Globalisierung geistiger Eigentumsrechte. Neue Strukturen internationaler Zusammenarbeit (1886-1952) (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 195). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2010, 342 S.

Claudia Lydorf


 

ZUSAMMENFASSUNG: In ihrer Dissertation verfolgt Isabella Löhr die Frage, wie sich ausgehend von der nationalen Gesetzgebung des 19. Jh. hin zum Welturheberrechtsabkommen von 1952 der globale Urheberrechtschutz entwickelte. Aus einer globalen Perspektive analysiert die Autorin eine Vielzahl von Aspekten, zum Beispiel den Einfluss des Urheberrechts auf die Entwicklung der Buchproduktion und die herausragende Rolle der Organisationen, die den Urheberrechtsschutz institutionalisierten.

KODEWORT: Rechte der Autoren, Buchproduktion, UNESCO, Völkerbund, Welturheberrechtsabkommen, Globalisierung, Urheberrechtsschutz, Urheberrecht.

Vorliegende Dissertation wurde von Isabella Löhr bei Prof. Dr. Hannes Siegrist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig eingereicht. Die Verfasserin geht in ihrer Untersuchung den Fragen nach, welche Entwicklung von dem frühen nationalen Rechtschutz für das Urheberrecht von Autoren zu der globalen Ausdehnung dieser Autorenrechte führte, wobei besonders die aus globaler Perspektive betrachteten Fragen, wie die Verrechtlichung und wie die Organisation der kulturellen Verflechtung institutionalisiert wurde, welche Akteure hierbei eine besondere Rolle spielten und welche Konsequenzen diese Entwicklung für die geistigen Eigentumsrechte zeitigte, im Mittelpunkt stehen (S. 29). Der Begriff des Autors wird hierbei synonym für jeden Werkschaffenden, der urheberrechtlichen Schutz genießt, verwendet, wobei ein Schwerpunkt der Arbeit auf dem Buchhandel liegt (S. 13, S. 29f.).
Die weitgehend chronologische Gliederung des Werks stellt bereits die entscheidenden Zäsuren der Entwicklung heraus. Im ersten Punkt der Untersuchung beschreibt die Autorin zunächst die Entwicklung hin zum globalen Autorenschutz (S. 37ff.), wobei folgende Etappen nachgezeichnet werden: Zwischen 1750 und 1850 verrechtlichte sich die Beziehung des Autors zu seinem Werk hin zum Urheberrecht, wobei von der Verfasserin als maßgebliche Faktoren die Nationalisierung und Verrechtlichung aller Bereiche von Politik über Wirtschaft bis Kultur aufgezeigt werden. Hierbei betont sie die zunächst gegebene nationale Beschränkung der urheberrechtlichen Befugnisse des Autors und zeichnet eingehend nach, wie der Schutz der Autoren gewährleistet werden sollte, wenn mit ihren Büchern zwischen verschiedenen Staats- und Rechtsgebieten gehandelt wurde, wobei insbesondere der Entwicklungsschritt, den die Berner Konvention darstellt, ausführlich untersucht wird (S. 67ff.). Auch die Behandlung des geistigen Eigentums in den Pariser Friedensverträgen nimmt in diesem Zusammenhang breiten Raum ein (S. 85ff.). Sodann wendet sich die Autorin der Frage zu, wie es um die internationalen Autorenrechte in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts bestellt war. Die Verfasserin zeigt die verschiedenen Ansätze, Interessen und Interessenkonflikte auf und hebt deren Bedeutung für die Entwicklung der geistigen Eigentumsrechte hervor, wobei sie ihren Ausgangspunkt von der Berner Konvention des Jahres 1928 nimmt (S. 117ff.). Hierbei werden im Vergleich zuerst die nationalen Perspektiven unterschiedlicher Staaten auf die Problematik herausgearbeitet, wobei insbesondere die Sonderrolle Nord- und Südamerikas auch anhand von Statistiken zu Umfang von Buchproduktion und –handel gründlich ausgeleuchtet wird. In einem weiteren Punkt untersucht die Verfasserin sowohl die neuen Konzepte, die der Völkerbund für den internationalen Schutz geistiger Eigentumsrechte bot (S. 161ff.), als auch die Organisationsform, die sich hierzu herausbildete (S. 173ff.). Um nur zwei wichtige von mehreren angesprochenen Aspekten herauszugreifen, seien hier die Weltkonvention zum Schutz des literarischen und künstlerischen Eigentums (S. 213ff.) sowie deren Rezeption in einzelnen Staaten, wie u.a. in Frankreich genannt (S. 229ff.). In diesem Zusammenhang sei auch auf den konzisen Beitrag von Isabella Löhr mit dem Titel "Der Völkerbund und die Globalisierung geistiger Eigentumsrechte in der Zwischenkriegszeit" in: UFITA 2008, S. 67-90 hingewiesen.
Abschließend wird von der Autorin kurz die Entwicklung umrissen, die von der Organisation für geistige Zusammenarbeit zur UNESCO und dem Welturheberrechtsabkommen von 1952 führt. Zusammenfassend werden nicht nur die Ergebnisse vorliegender Studie nochmals in konzentrierter Form präsentiert (S. 265ff.) sondern die Untersuchung wird auch in die Forschungen zur Globalisierung (S. 276f.) und zum Völkerbund (S. 275) eingeordnet, wobei auch darauf hingewiesen wird, welche Erkenntnisse vorliegende Arbeit für die Erforschung globaler Rechtssetzungsprozesse bietet (S. 272).
Die Ausführungen werden durch einen Anhang, in dem sich neben einer Übersicht über die Internationale Buchproduktion zwischen 1890 und 1950 auch eine Auflistung der Mitglieder der Kommission für geistige Zusammenarbeit des Völkerbundes zwischen 1922-1939 findet, abgerundet. Durch das Personen- sowie das Sach- und Ortsregister lässt sich das Werk auch unabhängig von der durch die Autorin gewählten, gut durchdachten Gliederung bequem erschließen.
Abschließend lässt sich festhalten, dass nach den historischen Forschungen zum nationalen Schutz geistiger Eigentumsrechte, wie sie zum Beispiel durch Beiträge von Elmar Wadle (Geistiges Eigentum, Bausteine zur Rechtsgeschichte, 2 Bde., Weinheim 1993/München 2003) und Thomas Gergen (Zwischen französischem droit d'auteur und deutscher Privilegientradition: Praxis und Entwicklung des badischen Urheberrechts im 19. Jahrhundert, in: UFITA 2011, S. 131-158) vorangetrieben wurden, Isabella Löhr's Werk anschaulich und in einem großen Bogen die globale Dimension dieser Thematik darstellt. [Recibida el 8 de noviembre de 2012].


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