ANMERKUNGEN ZU GOEBBELS' DISSERTATION „WILHELM VON SCHÜTZ ALS DRAMATIKER. EIN BEITRAG ZUR GESCHICHTE DES DRAMAS DER ROMANTISCHEN SCHULE”

Gábor HAMZA


Abstract: Joseph Goebbels defended his doctoral thesis entitled „Wilhelm von Schütz als Dramatiker. Ein Beitrag zur Geschichte des Dramas der romantischen Schule” at the University of Heidelberg in 1922. His „Doktorvater” was professor Max Freiherr von Waldberg, who two years after the seizure of power of the nationalsocialists, in 1935 was deprived of his chair. Goebbels frequented, prior to the defense of his thesis, in Heidelberg the seminar of the highly reputed historian of literature of the era, Friedrich Gundolf, who belonged to the circle of „conservatives of culture” who declinend to assume the role of the „Doktorvater” of the thesis. The two most striking characteristic features of the doctoral thesis of Goebbels are nationalism on the one hand and mysticism i.e. messianistic ideas (search for the „leader”) in accordance with the thought of Dostojevsky on the other.

Keywords: Conservatives of culture, Dostojevsky, Friedrich Gundolf, Messianistic ideas, Mysticism, University of Heidelberg, Max Freiherr von Waldberg.

   Die Doktorarbeit des späteren (ab März 1933) Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda und Leiters der Reichskulturkammer im NS-Staat hieß: „Wilhelm von Schütz als Dramatiker. Ein Beitrag zur Geschichte des Dramas der romantischen Schule‟. Die nie gedruckte, unveröffentlicht gebliebene Dissertation, die aus 222 maschinenschriftlichen Seiten besteht, wurde im Jahre 1922 an der Philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg verteidigt. Mit dieser Arbeit, die er nach dem Ende des Heidelberger Semesters in seiner Geburtsstadt Rheydt – die in der Stadt Mönchengladbach aufgegangen ist, d.h. heute nicht mehr existiert ‒ in vier Monaten zu Papier brachte, wurde Goebbels nach der im November 1922 mit Note rite superato d.h. eher durchschnittlich (oder nicht einmal durchschnittlich! bestandenen mündlichen Prüfung zum Doktor der Philosophie promoviert. Die Note rite superato könnte auf Konflikte mit dem Doktorvater hindeuten. Die Gründe der wahrscheinlich schweren Konflikte Goebbels’ mit seinem Doktorvater bedürfen aber noch einer Aufklärung. Die Theaterstücke, insbesondere Historiendramen von Christian Wilhelm von Schütz (1776-1847), der auch zu Johann Wolfgang Goethe Kontakt hatte (in Karlsbad hatte ihn mehrmals aufgesucht), werden heute nicht mehr aufgeführt. Sein Drama „Graf von Schwarzenberg‟ (1819) war zu Lebzeiten seines Verfassers ein beachtlicher, sogar großer Erfolg. Das literarische Oeuvre des Hofrats (Schütz hatte in Würzburg und Erlangen Jura studiert), Dichters und Literaturkritikers Wilhelm von Schütz (genannt auch „Schütz- Lacrimas‟ nach seinem im Jahre 1803 verfassten ersten Drama) ist mit Lauf der Zeit, bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, beinahe vollkommen in Vergessenheit geraten. Der Doktorvater von Joseph Goebbels war der Sprach- und Literaturwissenschaftler Max Freiherr von Waldberg (1858-1938), der seit 1908 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg eine Honorarprofessur wahrnahm. Nach der sog. Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der an der Universität Czernowitz promovierte (1881) und habilitierte (1884) Max von Waldberg am 12. April 1933 in den Ruhestand versetzt. Zwei Jahre später wurde ihm entsprechend dem am 7. April 1935 verabschiedeten Gesetz „über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums‟ – ein zynischer Euphemismus für eine Verfügung, durch die alle Bürger jüdischer Herkunft und alle Bürger, die als politisch unzuverlässig galten, vom öffentlichen Dienst ausgeschlossen wurden – die Lehrbefugnis entzogen. Hier verweisen wir darauf, dass dieses Gesetz für die Entfernung aller Juden aus öffentlichen Ämtern, aus dem akademischen Leben, aus Krankenhäusern und Kliniken und nicht zuletzt aus der Justiz entweder durch Entlassung oder durch sofortige Versetzung in den Ruhestand sorgte. Für Max von Waldberg sollte sich die Betreuung der Doktorarbeit von Goebbels nicht auszahlen. Als Joseph Goebbels im Jahre 1942 mit großem Pomp zur zwanzigsten Wiederkehr seines Doktorexamens an der Ruprecht-Karls-Universität gefeiert wurde, war von seinem Doktorvater Max von Waldberg keine Rede. Die Betreuung der Dissertation nahm Max von Waldberg auf Anraten des namhaften, auch international anerkannten „kulturkonservativen‟ Literaturhistorikers Friedrich Gundolf (1880-1931), mit wem Walter Benjamin sich kritisch auseinandergesetzt hat, an, an den sich Goebbels zunächst wandte. Joseph Goebbels besuchte Waldbergs Seminar, wo er ein Referat hielt und eine Seminararbeit einreichte. Goebbels wollte ursprünglich bei Gundolf promovieren. Der bereits von Lehr- und Prüfungsverpflichtungen entbundene Friedrich Gundolf beschäftigte sich in dieser Zeit mit dem Nachruhm von Julius Caesar in der europäischen Literatur. Die Studie von Gundolf über Julius Caesar wurde im Jahre 1924 in Berlin unter dem Titel "Cäsar. Geschichte seines Ruhms" veröffentlicht. Caesars „literarische‟ Größe war ein „Lebensthema‟ des namhaften Heidelberger Literaturhistorikers. Er promovierte mit diesem Thema im Jahre 1904 („Caesar in der deutschen Literatur‟, Berlin, 1904.). Erwähnung verdient, dass Friedrich Gundolf dem „elitären Kreis‟ um den Dichter Stefan George (1868-1933) angehörte. Goebbels war nur kurze Zeit (etwa vier Monate) in Heidelberg. Diese in „Schnörkelsprache‟ geschriebene Dissertation, wäre im Hinblick sowohl auf die geistesgeschichtliche als auch auf die spätere politische Laufbahn ihres Verfassers einer (eingehenden) Studie wert. Von besonderem Interesse ist unseres Erachtens das Geleitwort der Dissertation. Das Geleitwort beginnt mit einem Fjodor M. Dostojewski-Zitat. Im Geleitwort zieht Goebbels, fast in Form einer „Deklamation‟, Parallelen zwischen dem Zeitalter der Romantik und dem „Decennium, das wir heute durchleben‟. Joseph Goebbels sieht Parallelen in erster Linie in der Kultur d.h. im kulturellen Bereich. Er schreibt wie folgt: „Hier wie dort macht sich eine seichte Aufklärung breit, die im platten, geistlosen Atheismus ihr Endziel und ihren Zweck findet. Aber dagegen kämpft die junge Generation der Gottsucher, der Mystiker, der Romantiker an. Alle diese Kleinen und Kleinsten schreien nach Führern (sic! G.H.) aber kein Großer wird sich finden, der sie alle in seine Arme nehme‟. [Recibido el 20 de noviembre de 2014].


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