Antonio Maria Baggio, Adriana Cosseddu y Antonio Márquez Prieto, Fraternidad y justicia, Comares, Granada, 2012, 94 Seiten.

Manuel J. Peláez
Gudrun Stenglein

Zusammenfassung: Ein Werk von drei Autoren, Antonio Maria Baggio (Florenz), Adriana Cosseddu (Sassari) und Antonio Márquez Prieto (Málaga), die unterschiedliche Widmungen wie Politische Philosophie, Wirtschaftsstrafrecht, Arbeitsrecht und soziale Sicherheit kombinieren und ideologische Kriterien, die bei der Bedeutung der Brüderlichkeit in der Welt des Rechts und in den Sozialwissenschaften im Allgemeinen sehr übereinstimmen, überdenken. Wenn die relationale Soziologie und Wirtschaft in Gemeinschaft beim Studium der Brüderlichkeit angewendet werden, wissen wir nicht, wo der Weg uns hinführt. Außerdem, wenn sie mit der Theologie in Gemeinschaft, der volkstümlichen Theologie oder der Soziallehre der Kirche vermischt wird, erweist es sich als beunruhigend, weil man nicht weiß, wohin dies führen wird. Die Bedeutung der Brüderlichkeit neben der Gleichheit und Freiheit ist klar, obwohl heutzutage mehr über die Begriffe der Toleranz (das Christentum hat an Intoleranz gelitten und sie nicht verursacht), Solidarität, Entwicklung, Zivilisation der Liebe.

Schlüsselwörter: Brüderlichkeit, Gleichheit, Wirtschaft in Gemeinschaft, relationale Soziologie, Freiheit, Arbeitsbeziehungen, Wirtschaftsstrafrecht.

In der Reihe der juristischen Wissenschaften des Verlages Comares in Granada, mit besonderem Augenmerk auf das Arbeitsrecht und die soziale Sicherheit, die José Luis Monereo Pérez mit besonderem Eifer und Hingabe leitet, ist dieses kleine aber dichte Buch erschienen.
In der Reihe der juristischen Wissenschaften des Verlages Comares in Granada, mit besonderem Augenmerk auf das Arbeitsrecht und die soziale Sicherheit, die José Luis Monereo Pérez mit besonderem Eifer und Hingabe leitet, ist dieses kleine aber dichte Buch erschienen.
Derselbige Monereo, Lehrstuhlinhaber in Granada, macht die Einleitung und stellt die drei Autoren vor, Spezialisten diverser wissenschaftlicher Bereiche der Sozialwissenschaften, die in die Realität der Brüderlichkeit eintauchen. Nach Meinung vieler ist es das meistvergessene der drei Prinzipien, die die Französische Revolution von 1789 formuliert hat: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Antonio Maria Baggio, der Professor für Politische Philosophie an einem bekannten Universitätsinstitut in Florenz ist arbeitet seit vielen Jahren über das Prinzip der Brüderlichkeit. Er verfügt über ein Netz von Universitätsprofessoren, die sich genau damit beschäftigen, dieses Prinzip der Brüderlichkeit multidisziplinär zu betrachten. Baggio hat seine Forschung auf zwei grundlegenden Ideen konzentriert. Die Erste wäre die Brüderlichkeit aus wissenschaftlicher Sicht als politische Kategorie zu präsentieren. Die zweite Idee ist, denen, die die Brüderlichkeit studieren, beizubringen, dass die Anschauung derselben etwas komplizierter ist, weil sie nicht losgelöst von Gleichheit und Freiheit verstanden werden kann. Diese zweite Idee führt natürlich dazu, dass sie sich enorm kritisch mit dem ideologischen Ballast, den der Jakobinismus der Französischen Revolution für die Idee der Brüderlichkeit darstellt, zeigt. In diesem Sinne kommentiert Baggio alles, was Bertrand Barère und Maximilien Robespierre über die Brüderlichkeit, die sie in einigen Fällen verteidigten und bei mehreren Gelegenheiten zensierten, geschrieben haben.
Robespierre selbst hatte gegen die patriotische Bankette geschrieben. Aber Baggio beschäftigt sich nicht mit einem System, in dem die Brüderlichkeit eine besondere Bedeutung während der Revolution erreicht, dem politischen und sozialen System der Gleichberechtigten von Gracchus Babeuf (1760-1797). Dieser war Opfer der Gegenrevolution und stellte sich seiner Familie in einem Brief, den er aus dem Gefängnis schrieb, nachdem er durch das Gericht zum Tode verurteilt war, als „Märtyrer der Freiheit“ vor und empfahl seiner Frau und seinen Kindern „ein Beispiel der Tugenden zu geben, um Wertschätzung, Nähe und Respekt aller guten Menschen zu erreichen“ 1.
Einer der Mitwirkenden von Babeuf, Philippe Buonarroti, der im Exil in Belgien lebte, nahm an der Revolution der Gleichberechtigten teil. Er schrieb ein Buch, das dem Titel und der Idee eines neuen politischen und gesellschaftlichen Systems, in dem wir alle gleich wären, entsprach2 . Es enthält eine Reihe von wesentlichen Vorstellungen über die Brüderlichkeit; diese Angelegenheit wird von Baggio nicht berücksichtigt.

fraternidad-justicia

Es ist uns nicht angenehm, dass sich Baggio an die Lehre von Carl Schmitt, dem gefährlichen Verteidiger des Nazitotalitarismus und durch das Nürnberger Gericht Verurteilten, anlehnt um zu formulieren, was man unter der politischen Kategorie verstehen und dies auf die Brüderlichkeit anwenden soll. Diese ist etwas umfangreicher und umfasst die allgemeine menschliche Kondition. Der Kommentator und Kommentarist von Baggio, in diesem Falle Antonio Márquez Priete, macht, nachdem er mit Baggio zusammengearbeitet hat, eine Zusammenfassung davon und hebt drei Ideen des Schreibens des Florenzer Professor hervor: 1.) „Die Brüderlichkeit ist als universale Dimension der Menschheit zu verstehen“. 2.) „Die Brüderlichkeit ist der Ort der Wahrheit, der Schwierigkeiten und der Konflikte“. 3.) „Gegen die Brüderlichkeit geht die Ideologisierung derselben“. (S. 20).
Die Professorin für Wirtschaftsstrafrecht an der Universität von Sassari, Adriana Cosseddu, studiert den Horizont des Rechts, der kein anderer ist als der Ort, an dem sich die Beziehungen ergeben und folglich erscheint dort die Brüderlichkeit. Sie plant eine Reihe von Fragen über das Konzept der „menschlichen Familie“ und behilft sich dabei der Idee der relationalen Theorie mit soziologischem Inhalt.
Auch auf dem Gebiet des Strafrechts ruft Cosseddu dazu auf, dass „sich die Suche nach der Wahrheit bei der Verhandlung mit dem Anspruch der sozialen Gerechtigkeit im konkreten Fall auseinandersetzt; diesbezüglich fordert die Prozessrealität nicht nur die Entscheidungen, sondern auch die professionellen Verhaltensweisen anzupassen mit dem Ziel, Sicherheit und Wahrheit zu vereinbaren, die Fakten und Norminterpretationen so auszulegen, dass der Sinn nicht in der reinen Rechtstechnik eingeschlossen wird, sondern der Gerechtigkeit entspricht“ (S. 41-42). Folglich muss man in den Rechtsstreit, den ein Strafverfahren mit sich bringt, die Note oder Dimension der Brüderlichkeit einfließen lassen3 .
Die Vorstellungen der Brüderlichkeit, zwischenmenschlicher Beziehungen, Gemeinschaft, der Kultur des Seins und nicht des Habens (wenigstens nicht die ausschließliche, oder was sich vorzugsweise auf das Haben bezieht), der Kultur des Gebens und des großzügig sein und der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Solidarität sind einige der Fragen, die Cosseddu studiert und dabei die Betonung auf die Ideen des Sozialen und Relationalen legt.

Dr. Antonio Baggio
Antonio Marquez

Antonio Márquez Prieto schließt das Buch mit zwei Beiträgen, der eine etwas umfangreichere über die relationale Gerechtigkeit und Brüderlichkeit und der andere mit einigen Schlussfolgerungen über das gesamte Buch. Die relationale Gerechtigkeit muss innerhalb des Rechtes abgewogen werden, und zwar der Art, dass sie nicht ausschließlich auf die Normen eingeschränkt wird, sondern es muss die Sozialität berücksichtigt werden.
Das Überdenken sozialer Gerechtigkeit ist etwas, was schon immer getan wurde und von Zeit zu Zeit neu gemacht wird. Für Márquez „produziert die Brüderlichkeit im Bereich der Relationalität eine wesentliche Krise“ (S. 81) und „die Brüderlichkeit ist nicht erforderlich für den Diskurs der Durchsetzbarkeit und Verlinkung, sondern schreibt der Großzügigkeit des Gebens eine große Rolle zu, die gefördert, aber nicht in obligatorisch umgewandelt werden kann“ (S. 81). Logischerweise ist die Verbindung zwischen der legalen Relationalität und Brüderlichkeit klar, so wie Antonio Marquez die Dinge sieht.
Der relationale Ansatz kann nützlich sein. Márquez wird durch Pierpaolo Donati, einem bekannten italienischen Soziologen, Lehrstuhlinhaber an der Universität von Bologna ehemaliger Präsident der italienischen Soziologievereinigung, inspiriert; diese stellte einen Kontrast zwischen den Soziologien des Handelns und dem sozialen System auf. Bei Vorschlägen der relationalen Soziologie versuchte Donati nicht den Aufbau einer neuen Soziologie, sondern einer neuen Theorie der sozialen Realität4 .
Im Denken von Donati werden einige Thesen beobachtet, die die Schlüssel zum Verständnis dessen werden, was als relationale Soziologie bezeichnet wird. Von den sechs Thesen Donatis werden wir nur drei von ihnen betrachten. Die erste These ist, wonach der Professor von Bologna voraussetzt, dass „das soziologische Studium eines Phänomens nicht nur den Aspekt der sozialen Beziehungen bedeutet, in denen es eingesetzt wird, sondern es in sich selbst als relationales gesellschaftliches Phänomen zu analysieren“ 5.
Lassen wir für eine Sekunde Platz für die dritte These Donatis, die darin besteht, dass „die sozialen Strukturen erklärt und verstanden werden von der Soziologie als ein Produkt von Handlungen der Individuen, die historisch festgelegt sin und sich wie Schauspieler in funktionalen Systemen bewegen und als Agenten in Systemen der gegenseitigen Abhängigkeit“6 . Schließlich ist die sechste These Donatis die, nach der „der Entwicklungsprozess der sozialen Beziehung drei soziologische Momente hat: als „mit Sinn“, als moralische Ordnung und als operativer Moment der Beziehungen zwischen Autorität und Macht, die die Produktion und Verteilung von Ressourcen und Lebenschancen bestimmt“7.
In jedem Fall sind alle solche theoretische Ansätze über die Brüderlichkeit und Gerechtigkeit, bei denen das Modell der relationalen Soziologie angewandt wird, zu abstrakt und können in der Praxis zu nichts führen. Wir dürfen den menschlichen Geist nicht aus den Augen verlieren; im Rahmen der aristotelischen Überlegung handelt es sich nicht nur um die Vernunft, sondern auch um den Willen und die Freiheit8 .

I Jornadas Jóvenes & Edc

Aber lassen wir uns nicht vergessen, dass die Ergebnisse, die eine uns gefährlich erscheinende Kombination darstellen und hinter der die drei Autoren des Buches nicht in ihrer ganzen Integrität stehen, nicht viel Anerkennung verdienen. Wenn man die Gemeinschaftstheologie, die viel mit der Brüderlichkeit zu tun hat, mit der Gemeinschaftswirtschaft, die noch mehr mit der Brüderlichkeit zu tun hat, und der relationalen Soziologie mischt, so wissen wir nicht, welche positiven Resultate erreicht werden können. Und wenn obendrein die Fuchsmoral und die transzendentale Anthropologie von Karl Rahne angewendet wird, würden wir ohne intellektuelle Orientierung enden und nicht zwischen dem kategorischen und transzendentalen Plan unterscheiden können; außerdem würden wir ignorieren, dass die ethischen Normen eine theologische Grundlage haben müssen. Es ist sogar möglich, dass die Prinzipien der Moraltheologie sehr stark beschädigt werden, vielleicht nicht ganz so stark in der Soziallehre der Kirche, aber auf jeden Fall im kanonischen Recht, das bereits nach dem II. Vatikanischen Konzil von U-Booten der Serie U des Zweiten Weltkrieges bombardiert wurde. Diesmal werden sie benutzt von den offiziellen Weisen und den Meistern der Gemeinschaftstheologie und der Volkstheologie, sodass der Codex Iuris Canonici von 1983 den Inhalt des kanonischen Strafrechts verzerrt und Reformen einführen wird, die dazu kommen, dass ein sogenannter Weiser, Álvaro d’Ors, behauptet, das kanonische Recht sei mit dem neuen Kodex gestorben. Wir glauben nicht, dass die Autoren damit eine gute Mischung (ich wiederhole: Gemeinschaftstheologie, Gemeinschaftswirtschaft und relationale Soziologie) erzielt haben, weder für das bonum commune noch um die ungeschützten Sozialklassen zu begünstigen noch um eine humanere Gesellschaft zu schaffen. [Eingegangen am 15. Oktober 2012.]

1 Gracchus Babeuf, Dernière lettre de Gracchus Babeuf, assassiné par la prétendue Haut-Cour de Justice, à sa femme et à ses enfants, à l’approche la mort, Imprimerie de l’Ami du peuple, R. F. Debois, Rouen, 1797, S. 4.

2 Siehe Philippe Buonarroti, Système politique et sociale des égaux [extrait du livre de Ph. Buonarroti], Imprimeries de Pecquerau et Comp., Paris, 1842.

3 Andere Lösungen werden aber von Brian Barry, in Theories of Justice, University of California Press, Berkeley y Los Ángeles, im Kapitel seines Buches „Fair Division and Social Justice”, Seiten 304-319, aufgezeigt.

4 Pierpaolo Donati, Introduzione alla sociologia relazionale, Franco Angeli, Milán, 1983, Seite 12 und 15.

5 P. Donati, Introduzione alla sociologia relazionale, S. 206.

6 P. Donati, Introduzione alla sociologia relazionale, S. 207.

7 P. Donati, Introduzione alla sociologia relazionale, S. 208.

8 Dies erklärt sehr klar Félicien Rousseau, C’est la misère qui juge le monde, Les Presses de l’Université Laval, Québec, 2001, Seite 209-218.


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